Wahlkreise und Postleitzahlen – eine unglückliche Verknüpfung

Man tippt seine Postleitzahl ein und bekommt heraus, wer für den Wahlkreis in der Politik zuständig ist: das ist ein bezaubernder Gedanke für politisches Campaining und Stakeholdermaps.

Leicht ist die Umsetzung nicht, denn Postleitzahlgebiete können neu zugeschnitten werden. Aber auch Wahlkreise ändern sich bei Bundestags- und Landtagswahlen immer wieder mal. Europa- und Kommunalwahlen orientieren sich an den deutschen Verwaltungsgrenzen, die sich glücklicherweise nicht so oft ändern, aber ebenfalls keine postalischen Grenzen sind.

Im ländlichen Neumarkt stimmen die Grenzen von Stimmkreis und (mehreren) PLZ noch überein.  Legende: Farbig der Stimmkreis, schraffiert die PLZ-Gebiete.
Im ländlichen Neumarkt stimmen die Grenzen von Stimmkreis (farbig) und mehreren PLZ (schraffiert) überein.

Womöglich funktioniert die Zuordnung noch im ländlichen Raum, wie in Sachsen oder in der bayerischen Oberpfalz. Die genannte Problematik wird aber klar deutlich bei größeren Städten mit mehreren Postleitzahlen, wo die Grenzen nicht mehr in Übereinstemmung stehen. Und das ist relevant, denn die Bevölkerungsmehrheit bei uns wohnt in den Städten.

Der Münchener Wahlkreis Schwabingen (farbig) zeigt, dass die PLZ (schraffiert) nicht mit den politischen Grenzen übereinstimmen.
Der Münchener Wahlkreis Schwabingen (farbig) zeigt, dass die PLZ (schraffiert) nicht mit den politischen Grenzen übereinstimmen.

Das Grundproblem ist also bei allen diesen Gebietseinteilungen: Sie sind nicht übereinstimmend. Die Post interessiert sich nicht für politische Grenzen. Die Bundes- und Landeswahlleitungen achten eher auf eine gleich große Wählerzahl in einem Wahlkreis (oder Bezirkswahlkreis / Stimmkreis). Was sind die Folgen? Es lassen sich keine eindeutigen Zuordnungen vornehmen! Weder eine 1:1-Beziehung (ein Wahlkreis zu einer PLZ) noch eindeutige 1:n-Beziehungen (ein Wahlkreis zu mehreren PLZ). Hinzu kommt die Schwierigkeit, alle Postleitzahlen in dem jeweiligen Gebiet zu ermitteln. Man kann dafür auf eine Overpass-Abfrage auf die OSM-Daten zurückgreifen, aber für MultiPolygone ist es ein großer Arbeitsaufwand.

Postleitzahlen sind also ungeeignet zur Suche der zuständigen Politiker, denn es besteht die Gefahr, dass man den falschen Ansprechpartner angezeigt bekommt. Oder andersrum: man erhält zwei oder mehrere Parlamentarier, weil in einem Postleitzahlgebiet mehr als ein Wahlkreis liegt. Und wer möchte sich in diesem protokollarisch hochstehenden Bereich einen Fehler erlauben und die eigene Reputation schwächen?

Eine mögliche Lösung könnte sein, dass man auf einer Internetkarte seinen Standort sucht und dann den zuständigen Wahlkreispolitiker angezeigt bekommt. Diese Methode funktioniert zuverlässig, denn Wahlkreise lassen sich kartografisch darstellen. Und jeder Nutzer weiß, wo er wohnt / arbeitet / ist – falls nicht, dann kann der Browser auch den Standort des Anwenders nutzen.

Man nehme also das Verzeichnis der zuständigen Abgeordneten und kombiniere diese in einem GIS-Programm mit den Geodaten der Wahlkreise (die Shape-Datei bekommt man beim Bundeswahlleiter, außer von Rheinland-Pfalz und Thüringen). Heraus kommt eine fertige Karte, die auf jeder Webseite eingebunden werden kann. Das mach‘ ich gerne 🙂

Screenshot einer Wahlkreiskarte mit Abgeordnetenbüros

PS: Hilfslisten und Tabellen (in Excel etc.) für die Verknüpfung von Wahlkreisen und Postleitzahlen existieren natürlich trotzdem. Ich kenne so eine Datei beispielsweise für den Deutschen Bundestag. Der Sächsische Landtag bietet so eine Funktionalität sogar auf seiner Webseite an. Aber es bleibt dabei: methodisch ist es nicht korrekt.

Grafiken / Daten / Karten: © OpenStreetMap-Mitwirkende & © Bayerische Vermessungsverwaltung – www.geodaten.bayern.de & © Der Bundeswahlleiter, Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2016, Wahlkreiskarte für die Wahl zum 19. Deutschen Bundestag Grundlage der Geoinformationen © Geobasis-DE / BKG (2016)